Mein erster C22-Flug


Gekauft hatten wir uns die C22 ja schon im Dezember. Wegen des Wetters, der Suche nach einem Fluglehrer für die Einweisung auf das Gerät und eines Fahrwerkschadens war für mich ein Fliegen mit dem Teil aber erst am Sonntag, dem 4. Mai möglich.

Vor dem Fliegen möchte das Flugzeug betankt werden, Axel und Dirk füllen auf diesem Photo gerade ein Gemisch aus Benzin und Kettensägenöl ein. Angeblich soll das Kettensägenöl besonders gut für Zweitaktmotoren und der vorzeitigen Verrußung der Auspuffanlage abträglich sein. Wenn es stimmt, kann das Zeug demnächst auch in meinen Rucksack-Flugmotor Einzug halten.

Vor dem Abflug die Überprüfung der  Maschine: erst alle sichtbaren Teile aussen, dann innen. Danach das Aufsetzen der Kopfhörer, das Einschalten von Funkgerät und Kommunikationseinheit sowie das Anbringen des Schaltkästchens zum Auslösen der Rakete für den Rettungsschirm auf den angelegten Sicherheitsgurt. Dann das Starten des Motors.

Die Überprüfung des Motors und seiner zwei Zündkreisläufe geschieht erst unmittelbar vor dem Start auf dem Rollfeld: bei gehaltener Bremse wird der Motor auf 3000 U/min gezogen, danach wird erst der eine Zündkreislauf abgeschaltet, danach dieser wieder ein und der andere ausgeschaltet. Dabei darf der Motor maximal 300 Touren langsamer laufen.

Der Start war bei sehr starkem Seitenwind nicht einfach, aber Elmar, der Fluglehrer, saß neben mir. Ein paar Stunden Fliegen mit ihm werden nötig sein, bis ich die Maschine allein beherrsche und sicher damit fliegen werde.

Der Flug führte uns zum Kraftwerk Voerde am Rhein. Mit dem Motorschirm ist eine solche Tour tagesfüllend, mit der C22 dauert sie nur ein paar wenige Minuten.

Mir machte das Fliegen mit der C22 viel mehr Spaß als das mit der großen Schwester, der C42. Wahrscheinlich weil in der C22 trotz der Scheiben alles ein bisschen mehr offen ist, man vom Wind mehr mitbekommt und sie wesentlich langsamer fliegt.

Übrigens hat das Flugzeug, wie auf diesem Bild ersichtlich, den Scheibentest bestanden, zur Not kann zum Preis etwas milchigerer Bilder durch die Scheiben photographiert werden.

Flussaufwärts den Kurven des Rheins entlang flogen wir, damit ich mich mit dem Steuern der C22 ausgiebig auseinander setzen konnte. Anfangs war es nicht leicht, den Kurs zu halten.

Auf der Höhe von Duisburg drehten wir bei.

Dass ich bei einem meiner Photos einen Zirkus ablichtete, sah ich erst am Abend beim Betrachten der gemachten Luftbilder.

Mit ungefähr 90 km/h und ca. 5800 U/min flogen wir auf einer Höhe von 2500 Fuß; also mindestens 1500 Fuß höher, als ich normal mit dem Motorschirm fliege. Diese Höhe offenbarte mir bei wunderbaren Sichtverhältnissen das Ruhrgebiet. Mein Traum, irgendwann einmal allein das Ruhrgebiet zu überfliegen, wird mehr und mehr real!


Der an der A42 gelegene und 1929 fertiggestellte Oberhausener Gasometer, der seit 1994 als Ausstellungshalle fungiert und mit einer Höhe von 117.5 Metern der größte Gasometer Europas ist, war der Wendepunkt unseres Fluges.

Zwei Flüge mit der C22 hatte ich an diesem Tag, insgesamt etwas über anderthalb Stunden war ich mit dem Teil in der Luft. Und auch Axel, Dirk und Lutz flogen.

Es ist sicher noch viel zu früh, um über den Benzinverbrauch Aussagen machen zu können, aber er scheint etwas unter den allgemeinen Angaben zu liegen.

Eine halbe Stunde vor Schließung des Platzes startete ich dann noch mit dem Motorschirm, um den Tag fliegerisch so richtig rund zu machen. Auf Anfrage wurde mir ein Flug über die Startbahn erlaubt.

Bei sehr starkem Gegenwind wunderte es mich nicht, dass ich kurz nach dem Moment, in dem dieses Photo entstand, unten auf der Straße von zwei Inline-Rollschuhfahrern überholt wurde. Nach 25 Minuten hatte ich eine Strecke von zwei Kilometern(!) zurückgelegt. Als der nette Herr vom Tower mich via Funk auf die Schließung des Flugplatzes aufmerksam machte, kündigte ich meine Überquerung der Startbahn für eine Minute später an. Ich konnte mich auf dem Rückweg exakt an diese Angabe halten.

Kurz vor dem Abdrehen machte ich aber noch ein Photo des wunderbaren Abendpanoramas in nordöstliche Richtung.

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Ulrich Franzke <sinus@ulrich-franzke.de>