Das Kirchenjahr

Auf dieser Seite fasse ich meine Auseinandersetzungen zum liturgischen Jahr, zum Kirchenjahr, zusammen. Natürlich muss es zu dem sehr theoretischen Aufsatz auch wieder etwas zum Spielen geben, diesmal einen Kalenderblattgenerator!

Der Kalenderblattgenerator

Hier entsteht (Testphase seit Juni 2012) gerade ein Kalenderblattgenerator, der Sie in die Lage versetzen soll, sich ein liturgisches Kalenderblatt mit einem individuellen Photo/Bild zu bauen. Sie können sich dabei für eine Ausgabe als PNG-Bild oder als LaTeX-Quelle (oder natürlich auch beides) entscheiden. Und haben Sie dann das Blatt ausgedruckt - schon haben Sie ein Geschenk für Ihren Pastor (Sie müssen nur noch Ihre Bistums- und Lokalheiligen eintragen und außerhalb NRW vielleicht noch die gesetzlichen Feiertage ändern).

Ihre Mithilfe: Bei diesem Projekt bin ich auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wenn Sie Fehler und/oder Unzulänglichkeiten in einer Darstellung entdecken oder wenn das Programm absolut nicht das macht, was Sie meinen das es machen soll (die aktuellen Erdbeerpreise kennt es momentan leider noch nicht...), schreiben Sie mir bitte eine Email, damit der Fehler auf eine Liste gesetzt und bearbeitet werden kann.

Bisher entdeckte Fehler:

...und hier geht es jetzt zu diesem Kalenderblattgenerator

Erklärungen zum Kirchenjahr

Das Kirchenjahr stellt eine feste und immer wiederkehrende Abfolge von Festen und Festzeiten im Jahreskreis dar, etwa dem Weihnachts- oder dem Osterfest sowie den zugehörigen Zeiten, also der Advent-, Weihnachts-, Fasten- und Osterzeit. Aber auch die Termine der anderen kirchlichen Feste, etwa dem Pfingstfest oder dem Allerheiligentag sind im Kirchenjahr genau durch das Direktorium bestimmt. Das Direktorium, das auch als liturgischer Kalender der römisch-katholischen Kirche bekannt ist, gibt die Daten für die einzelnen Feiertage, die in Hochfeste, Feste und Gedenktage eingeteilt werden, in einem jeden Kirchenjahr an. Zu jedem Tag eines Jahres wird durch das Direktorium auch die liturgische Farbe, also die Farbe der Messgewänder (u.a. Dalmatik und Kasel), festgelegt.


nächster Monat


Das Kirchenjahr beginnt mit der ersten Vesper des ersten Adventsonntag, also mit dem Samstagabend vor dem ersten Advent. Der Advent endet mit der ersten Vesper vor dem Weihnachtstag, also dem Heiligen Abend. Da die Adventzeit vier Sonntage hat, kann sie zwischen 22 und 28 Tagen lang sein und zwischen dem 26. November und dem 2. Dezember (jeweils die erste Vesper des Vorabends!) beginnen.

Die Berechnung des liturgischen Kalenders für ein beliebiges Jahr erfordert weiterhin die Berechnung des korrekten Osterdatums, also die Berechnung des Ostersonntags. Und das ist ganz einfach der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium (der Tagundnachtgleiche des Frühlings, also des Frühlingsbeginns). Da der Frühling am 21. März beginnt, kann der früheste Ostertermin damit auf den 22. März fallen und da eine Vollmondperiode 28 Tage hat und der Vollmondtermin auf einen Sonntag fallen kann, können zu den 27 Tagen der möglichen Verschiebung noch weitere sieben Tage hinzu kommen, sodass das spätest mögliche Datum für den Ostersonntag der 25. April sein kann.

Worte wie Goldene Zahl, Epakte, Gaußsche Osterformel und die Computisten kommen einem beim Nachdenken über die Berechnung des Osterdatums in den Sinn. Wie aber berechnet sich das Datum für den ersten Vollmond nach dem Frühlingsäquinoktium, das im Mittelalter von den im päpstlichen Dienst stehenden Computisten berechnet wurde?

Die Grundlage für die Berechnung dieses ersten Vollmonds nach der Frühlingstagundnachtgleiche ist dadurch gegeben, dass der Vollmond wegen seiner Periodizität (der Gleichheit von 19 julianischen(!) Kalenderjahren und 235 Mondmonaten) immer auf die Tage zwischen dem 21. März und dem 18. April (und hier auf 19 feste Tage) fällt; die Goldene Zahl (gz) stellt dabei eine Zuordnung der Jahre zu einer Zahl 1 bis 19 dar und berechnet sich einfach als gz = Jahr modulo 19, wobei gz = 19 gesetzt wird, wenn gz = 0 berechnet wurde.

Im Julianischen Kalender wurde dann festgelegt, dass gz = 1 für den 5. April als Vollmonddatum steht. Jede Inkrementierung der Goldenen Zahl gz führt zu einer Dekrementierung des Datums um 11 Tage, wenn dabei das Datum des 21. März nicht unterschritten wird, ansonsten eine Erhöhung des Datums um 19 Tage. Somit folgt etwa für gz = 2, dass der Vollmond auf den 25. März (der 25. März ist elf Tage vor dem 5. April) fällt und für gz = 3, dass der 13. April (19 Tage nach dem 25. März ist der 13. April) berechnet wird (in der Praxis erspart hier eine Tabelle die Rechenarbeit)... Ist der Vollmondtermin gefunden, muss nur noch der nächste darauffolgende Sonntag gefunden werden, der dann der Ostersonntag ist.

Eine geringe Korrektur war nun noch erforderlich, da der Julianische Kalender mit (im Mittel) 365.25 Tagen pro Jahr rechnet, unser gültiger Gregorianischer Kalender von 365,2425 Tagen pro Jahr ausgeht. Mit der Epakten, die ähnlich der Goldenen Zahl funktioniert, jedoch auf 30 Zahlen erweitert ist, ist diese Korrektur realisiert worden. Mit seiner Osterformel hat Gauß einen Algorithmus gefunden, nach der er das Osterdatum auf der Basis des oben ausgeführten genau berechnen kann.

Abhängig vom Osterdatum sind natürlich viele andere Daten, wie etwa Karfreitag (zwei Tage vor Ostern), Aschermittwoch (46 Tage vor Ostern), Christi Himmlfahrt (39 Tage nach Ostern), Pfingsten (Pfingstsonntag 49 Tage nach Ostern), Dreifaltigkeitssonntag (56 Tage nach Ostern), Fronleichnam (60 Tage nach Ostern), Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu (67 Tage nach Ostern)...

Die Variabilität des Osterdatums und der damit verbundenen anderen beweglichen Feiertagen führt aber, genauso wie die Folge der Sonntage zu jährlich anderen Tagen und Zeitpunkten im Monat, zu weiteren Problemen: Durch die Einteilung bestimmter Tage in Hochfeste, Feste und Gedenktage ist ein 13 stufiges Hierarchiekonstrukt für die Tage des Jahres entstanden und ein Tag mit einer höheren Rangfolge kann einen Tag mit einer geringeren Rangfolge überdecken. Beispielsweise ist der 4. Juli eines jeden Jahres der Tag des hl. Ulrich von Augsburg und kann so als nichtgebotener Gedenktag (Rangstufe 12) begangen werden. Fällt der 4. Juli aber auf einen Sonntag (ein Sonntag im Jahreskreis hat die Rangstufe 6), so hat der Sonntag einen höheren Rang und der nichtgebotene Gedenktag des Bischofs Ulrich fällt in diesem Jahr aus.

Etwas komplizierter wird es in den höheren Rängen: Fällt etwa das Hochfest der Verkündigung des Herrn (Rangstufe 3), der 25. März, auf einen Sonntag der Fastenzeit (Rangstufe 2), so wird der im Rang niedrigere Tag auf einen nachfolgenden Tag noch niedrigeren Ranges verschoben; wie im Jahr 2012, als das Hochfest der Verkündigung des Herrn am 26. März begangen wurde. Insgesamt gilt: Wird ein Hochfest von einem höherrangigen verdrängt, wird es auf einen nachfolgenden Tag, der nicht im Rang 1 bis 8 steht, verschoben.

Stilblüten treibt das an manchen wenigen Tagen, wenn beispielsweise etwa der 25. März auf einen Tag der Karwoche fällt: Alle Tage der Karwoche, genauso wie die Tage der Osteroktav, haben mindestens den Rang 2, das Ostertriduum sogar die Rangstufe 1. Der erste rangniedrigere Tag ist dann der Montag nach dem Weißen Sonntag, bis zu dem das Hochfest der Verkündigung des Herrn verschoben werden muss. Im Jahr 2013 etwa wird das Hochfest der Verkündigung des Herrn erst am 8. April begangen, weil der 25. März der Montag der Karwoche ist; damit ist in diesem Jahr das Hochfest der Verkündigung des Herrn fast auf seinem spätestmöglichen Termin. Der spätestmögliche Termin wird u.a. im Jahr 2018 (aber auch 2029 und 2040) erreicht werden; immer dann, wenn der Palmsonntag auf den 25. März fällt (sofern das Hochfest dann nicht auf den 24. März vorverlegt wird ...).




Stand: Juni 2012

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Ulrich Franzke <sinus@ulrich-franzke.de>