Ode an Roman Weller - Hommage in Bildern


Als ich am 25. September 2026 mit dem Motorrad zum Flugplatz EDLB Borkenberge fuhr, konnte ich noch nicht ahnen, was für ein großartiger Flug dieser Tag noch bringen würde. Am Platz traf ich Mark. Ihm gehört die andere Uli Rebell, die in Borkenberge stationiert ist. Wir beschlossen, mit den beiden Flugzeugen gemeinsam eine Runde zu fliegen.

Ein paar Minuten später waren wir in der Luft, seine Uli Rebell mit der Baunummer 13 und meine ältere mit der Baunummer 3. Ein wunderbarer Flug begann.


Herrlichstes Wetter hatten wir für unseren Flug. Es war warm, sonnig und nahezu windstill. Motorradjacke und Motorradhandschuhe waren an diesem Tag auch in der Luft genau die richtige Kleidung.

Aus meiner Uli Rebell filmte und photographierte ich immer wieder ihr rotes Pendant, einmal neben mir, einmal vor mir, dann wieder ein Stück unter oder über mir.


Und während ich die andere Rebell vor mir durch den Himmel fliegen sah, musste ich immer wieder an ihren Erbauer denken. Roman Weller, was hast Du da für ein ganz besonderes Fluggerät gebaut!

Eigentlich sieht die Uli Rebell aus, als käme sie aus einer anderen Zeit. Offenes Cockpit, Spornrad, hoch über dem Piloten die abgestrebte Tragfläche und vor einem ein Motor mit Propeller. Mehr braucht ein Flugzeug im Grunde auch nicht.

An der Uli Rebell ist nichts versteckt. Man sieht Streben, Rohre, Seile und Bespannung. Es ist ein Flugzeug, bei dem man noch sieht, wie es gebaut ist.


Unser Flug führte uns wieder über Billerbeck und den St.-Ludgerus-Dom. Seit meinem letzten Flugbericht vom 6. September hat sich dort nicht viel verändert: Der Turm steckt immer noch im Gerüst.


Weiter ging es am WDR-Sendemast und am Longinusturm vorbei - unter uns lag das schöne Münsterland. Felder, kleine Straßen, Höfe und Dörfer. Alles lag ruhig unter uns. Bei diesem Wetter konnte man beinahe vergessen, dass September war.

Mit 200 km/h würde man vieles davon kaum wahrnehmen. Mit der Uli Rebell hat man Zeit, nach unten zu schauen. Das ist überhaupt eine der schönsten Eigenschaften dieses Flugzeuges: Es ist langsam. Das mag zunächst wie ein Nachteil klingen. Ist es aber nicht. Mit der Rebell will ich nicht möglichst schnell irgendwo ankommen. Ich will fliegen.


Roman Weller baut seit Jahrzehnten Flugzeuge. Nicht in einer riesigen Fabrik, sondern in seiner Werkstatt in Bibersfeld bei Schwäbisch Hall. Stahlrohr wird dort nicht von Robotern zusammengeschweißt, sondern von einem Mann, der sein Handwerk gelernt hat und es offensichtlich ziemlich gut beherrscht. Seine Werkstatt besteht inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten.

Wenn man eine Uli Rebell aus der Nähe betrachtet, sieht man jedenfalls noch, wie viel Handarbeit in so einem Flugzeug steckt.


Die Geschichte der Rebellin ist dabei älter als die heutige 120-Kilo-Klasse. Bereits 1982 zeichnete Roman Weller seine erste eigene Flugzeugkonstruktion. Er wollte nicht nur vorhandene Flugzeuge nachbauen, sondern etwas Eigenes schaffen. Daraus entstand der „Ur-Rebell“. 1988 flog er erstmals. Viele Jahre später wurde aus dieser Idee der heutige Uli V3 Rebell.

Wenn heute also zwei Uli Rebell über dem Münsterland nebeneinander fliegen, dann fliegt ein Stück deutscher Ultraleichtfluggeschichte mit.


Roman Weller habe ich einmal persönlich getroffen. Ich wollte einfach wissen, wer der Mann ist, der dieses Flugzeug gebaut hat - also fuhr ich hin. Telephonieren tun wir ab und zu, meistens dann, wenn ich mal wieder irgendein Teil brauche. Ich habe ihn als angenehm, freundlich und sympathisch erlebt.

Inzwischen sind aus meiner Uli Rebell weit über 140 Flugberichte entstanden. Das Flugzeug begleitet mich also schon eine ganze Weile.

Ob ich Roman Weller noch einmal persönlich treffen werde? Wer weiß.

Eigentlich müsste ich öfter hinfahren. Andererseits hat er die Uli Rebell so gut gebaut, dass eben nicht oft etwas kaputtgeht. Für einen Flugzeugbauer ist das vermutlich ein Kompliment. Für einen Grund, ihn zu besuchen, eher hinderlich.


Der Rumpf besteht aus einem geschweißten Stahlrohrfachwerk. Die Tragflächen haben Aluminium-Rohrholme, Rippen und eine Stoffbespannung. Ein klassischer Aufbau, sichtbar, verständlich und ohne den Versuch, das Flugzeug aussehen zu lassen wie einen kleinen Verkehrsjet.

Vielleicht gefällt mir die Rebell auch deshalb so gut. Sie ist einfach ein kleines, leichtes Flugzeug und will auch gar nichts anderes sein.


Hinzu kommt das offene Cockpit. Natürlich ist ein geschlossenes Cockpit bequemer. Es ist wärmer, leiser und bei schlechtem Wetter zweifellos vernünftiger.

In der Rebell riecht man die Landschaft. Man spürt Temperaturunterschiede. Man bekommt den Wind ins Gesicht und im Herbst öfter auch etwas kalte Luft in den Ärmel und auf die Brust.

Dafür bekommt man vom Fliegen erheblich mehr mit als hinter einer geschlossenen Haube.


Und dann flog einige Meter neben mir noch eine zweite. Das ist ein merkwürdiger Anblick, wenn man selbst seit Jahren Uli Rebell fliegt. Normalerweise sehe ich von meinem eigenen Flugzeug während des Fluges hauptsächlich Cowling, Streben, Tragfläche und Propeller. Nun konnte ich das Flugzeug sehen, in dem ich selbst saß. Nur eben in Rot.

Erst dabei sieht man einmal richtig, wie schön die Uli Rebell in der Luft aussieht.


Roman Wellers eigener Weg zum Flugzeugbauer war übrigens keineswegs geradlinig. Er baute schon als junger Mann Fluggeräte, probierte aus, scheiterte, baute neu und machte weiter. Auf seiner eigenen Internetseite erzählt er von beschädigten Konstruktionen, Außenlandungen und Flugversuchen, bei denen nicht alles ganz so verlief, wie es ein heutiges Qualitätshandbuch vermutlich vorgesehen hätte.

Gut, dass er weitergemacht hat. Sonst hätte ich an diesem Nachmittag nämlich etwas anderes machen müssen. Rasenmähen vielleicht.


Natürlich wollte ich auch noch zur St.-Sebastian-Kirche in Amelsbüren, immerhin ist der neue Film über den hl. Sebastian nun fertig und könnte in ein nächstes Programm bei bonifatius.tv kommen.

Zwischendurch verschwand Mark immer wieder aus meinem Blickfeld und ich konnte mich auf die schöne Kirche konzentrieren und Photos machen.

Auch dafür ist die Rebell gemacht: niedrig und langsam genug fliegen, um noch etwas von der Landschaft und den Orten unter einem mitzubekommen.


Beim heutigen Rebell ist von Roman Wellers frühen Versuchen natürlich nicht mehr viel übrig. Aber eines schon: die Idee eines einfachen, leichten Flugzeuges. Kein Luxus. Kein unnötiges Gewicht. Kein Versuch, immer größer und komplizierter zu werden.

Die Uli Rebell gehört zur 120-Kilo-Klasse und ist als gutmütiger, leichter Einsitzer gedacht. Roman Weller selbst beschreibt ihn als Flugzeug für den Piloten, der sich ein wenig nach der unkomplizierten Fliegerei früherer Jahrzehnte zurücksehnt. Das trifft es ziemlich genau.


Wobei „unkompliziert“ absolut nicht bedeutet, dass die Uli Rebell leicht zu fliegen ist. Im Gegenteil. Das geringe Gewicht merkt man ständig - Thermik, Böen und jede kleine Luftbewegung wirken sich sofort aus.

Die Uli Rebell will aktiv geflogen werden. Sie verzeiht keine Gedankenlosigkeit und keinen Piloten, der nur noch Instrumente beaufsichtigen will.

Ich glaube, mancher Cessna-Pilot würde mit einer Uli Rebell sehr schnell merken, dass Fliegen hier wieder wirklich Fliegen bedeutet - und im schlimmsten Fall nicht lange.


Meine Rebell trägt die Baunummer 3, Marks rote Rebell die Baunummer 13. Zehn Flugzeuge liegen zwischen ihnen.

Das klingt zunächst nach nicht besonders viel. Aber bei einem Flugzeug, das nicht aus einer anonymen Serienproduktion kommt, sondern Stück für Stück in einer kleinen Werkstatt gebaut wird, bekommt eine Baunummer einen anderen Charakter.

Da steht eben nicht irgendwo eine Produktionsstraße, an deren Ende alle paar Stunden ein neues Flugzeug herausfällt. Hinter diesen Flugzeugen steckt Handarbeit. Und vor allem ein Name: Roman Weller.


Vielleicht ist das der eigentliche Grund für diesen Flugbericht. Ich habe inzwischen viele Stunden mit meiner Uli Rebell verbracht. Ich bin mit ihr über das Ruhrgebiet, das Rheinland und das Münsterland geflogen. Schnell ist sie nie gewesen.

Aber darum geht es auch nicht. Mit der Uli Rebell fliegt man nicht, um möglichst schnell irgendwo anzukommen. Man fliegt, weil man fliegen will. Und dafür muss man irgendwann einmal Danke sagen. Roman Weller, Danke für dieses Flugzeug.

Die beiden Rebell flogen noch eine ganze Weile gemeinsam über das Münsterland. Baunummer 3 und Baunummer 13. Gelb und rot. Zwei kleine Flugzeuge, die einfach zusammen flogen.



Nach dem Flug standen meine Uli Rebell und meine LS 650 wieder nebeneinander vor dem Hangar.

Mit der einen war ich zum Flugplatz gekommen, mit der anderen war ich über das Münsterland geflogen. Zwei ziemlich unterschiedliche Fahrzeuge - und beide machen auf ihre Weise genau das, wofür sie gebaut wurden.

Roman Weller hat vor mehr als vierzig Jahren angefangen, seine eigenen Flugzeuge zu entwerfen. Er hat weitergebaut, weiterentwickelt, und irgendwann entstand daraus dieses kleine Flugzeug.

Roman, was hast Du da für ein wunderbares Flugzeug gebaut.

Und wer nun noch mehr über Roman Weller wissen möchte, dem sei der Film „Wie man ein Motorflugzeug baut“ aus der Reihe SWR Handwerkskunst ans Herz gelegt.