Als ich am 25. September 2026 mit dem Motorrad zum Flugplatz EDLB Borkenberge fuhr, konnte ich noch nicht ahnen, was für ein großartiger Flug dieser Tag noch bringen würde. Am Platz traf ich Mark. Ihm gehört die andere Uli Rebell, die in Borkenberge stationiert ist. Wir beschlossen, mit den beiden Flugzeugen gemeinsam eine Runde zu fliegen.
Herrlichstes Wetter hatten wir für unseren Flug. Es war warm, sonnig und nahezu windstill. Motorradjacke und Motorradhandschuhe waren an diesem Tag auch in der Luft genau die richtige Kleidung.
Und während ich die andere Rebell vor mir durch den Himmel fliegen sah, musste ich immer wieder an ihren Erbauer denken.
Roman Weller, was hast Du da für ein ganz besonderes Fluggerät gebaut!
Unser Flug führte uns wieder über Billerbeck und den St.-Ludgerus-Dom. Seit meinem letzten Flugbericht vom 6. September hat sich dort nicht viel verändert: Der Turm steckt immer noch im Gerüst.
Weiter ging es am WDR-Sendemast und am Longinusturm vorbei - unter uns lag das schöne Münsterland. Felder, kleine Straßen, Höfe und Dörfer. Alles lag ruhig unter uns. Bei diesem Wetter konnte man beinahe vergessen, dass September war.
Roman Weller baut seit Jahrzehnten Flugzeuge. Nicht in einer riesigen Fabrik, sondern in seiner Werkstatt in Bibersfeld bei Schwäbisch Hall. Stahlrohr wird dort nicht von Robotern zusammengeschweißt, sondern von einem Mann, der sein Handwerk gelernt hat und es offensichtlich ziemlich gut beherrscht. Seine Werkstatt besteht inzwischen seit mehr als drei Jahrzehnten.
Die Geschichte der Rebellin ist dabei älter als die heutige 120-Kilo-Klasse.
Bereits 1982 zeichnete Roman Weller seine erste eigene Flugzeugkonstruktion. Er wollte nicht nur vorhandene Flugzeuge nachbauen, sondern etwas Eigenes schaffen. Daraus entstand der „Ur-Rebell“. 1988 flog er erstmals. Viele Jahre später wurde aus dieser Idee der heutige Uli V3 Rebell.
Roman Weller habe ich einmal persönlich getroffen. Ich wollte einfach wissen, wer der Mann ist, der dieses Flugzeug gebaut hat - also fuhr ich hin. Telephonieren tun wir ab und zu, meistens dann, wenn ich mal wieder irgendein Teil brauche. Ich habe ihn als angenehm, freundlich und sympathisch erlebt.
Der Rumpf besteht aus einem geschweißten Stahlrohrfachwerk. Die Tragflächen haben Aluminium-Rohrholme, Rippen und eine Stoffbespannung. Ein klassischer Aufbau, sichtbar, verständlich und ohne den Versuch, das Flugzeug aussehen zu lassen wie einen kleinen Verkehrsjet.
Hinzu kommt das offene Cockpit. Natürlich ist ein geschlossenes Cockpit bequemer. Es ist wärmer, leiser und bei schlechtem Wetter zweifellos vernünftiger.
Und dann flog einige Meter neben mir noch eine zweite. Das ist ein merkwürdiger Anblick, wenn man selbst seit Jahren Uli Rebell fliegt. Normalerweise sehe ich von meinem eigenen Flugzeug während des Fluges hauptsächlich Cowling, Streben, Tragfläche und Propeller. Nun konnte ich das Flugzeug sehen, in dem ich selbst saß. Nur eben in Rot.
Roman Wellers eigener Weg zum Flugzeugbauer war übrigens keineswegs geradlinig. Er baute schon als junger Mann Fluggeräte, probierte aus, scheiterte, baute neu und machte weiter. Auf seiner
eigenen Internetseite
erzählt er von beschädigten Konstruktionen, Außenlandungen und Flugversuchen, bei denen nicht alles ganz so verlief, wie es ein heutiges Qualitätshandbuch vermutlich vorgesehen hätte.
Natürlich wollte ich auch noch zur St.-Sebastian-Kirche in Amelsbüren, immerhin ist der neue Film über den hl. Sebastian nun fertig und könnte in ein nächstes Programm bei bonifatius.tv kommen.
Beim heutigen Rebell ist von Roman Wellers frühen Versuchen
natürlich nicht mehr viel übrig. Aber eines schon: die Idee
eines einfachen, leichten Flugzeuges. Kein Luxus. Kein
unnötiges Gewicht. Kein Versuch, immer größer und komplizierter zu werden.
Wobei „unkompliziert“ absolut nicht bedeutet, dass die Uli Rebell leicht zu fliegen ist. Im Gegenteil. Das geringe Gewicht merkt man ständig - Thermik, Böen und jede kleine Luftbewegung wirken sich sofort aus.
Meine Rebell trägt die Baunummer 3, Marks rote Rebell die Baunummer 13. Zehn Flugzeuge liegen zwischen ihnen.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund für diesen Flugbericht. Ich habe inzwischen viele Stunden mit meiner Uli Rebell verbracht. Ich bin mit ihr über das Ruhrgebiet, das Rheinland und das Münsterland geflogen. Schnell ist sie nie gewesen.
Nach dem Flug standen meine Uli Rebell und meine LS 650 wieder nebeneinander vor dem Hangar.