Oktoberthermik ohne Sonne


Am 7. Oktober 2026 startete ich um 17:29 Uhr MESZ in Borkenberge, nachdem ich Mark am Flugplatz getroffen und wir beschlossen hatten, eine Runde gemeinsam zu fliegen. Der Himmel war bedeckt, Sonne gab es wenig bis gar keine, und weil ich es oben lieber warm haben wollte, hatte ich kurz vor dem Start noch einen Pullover unter die Motorradjacke gezogen, was sich in der Luft allerdings als etwas zu gut gemeint herausstellen sollte.

Der Start und die ersten zehn Minuten waren traumhaft ruhig, bei praktisch windstillem Wetter photographierte ich zunächst diesen Bauernhof an der Straße Leversum kurz vor der B474 und freute mich auf einen gemütlichen Flug.


Auf dem nebenstehenden Photo ist Mark in seiner Uli Rebell zu sehen, mit dem ich gemeinsam über das Münsterland flog.


Die St.-Dionysius-Kirche in Seppenrade kam auch diesmal wieder aufs Photo, zwei Tage vor dem Gedenktag ihres Namenspatrons Dionysius von Paris (3. Jahrhundert). Dieser wurde im Mittelalter mit dem Dionysius Areopagita aus der Apostelgeschichte und dem heute als Pseudo-Dionysius bezeichneten theologischen Schriftsteller gleichgesetzt, sodass über Jahrhunderte drei verschiedene Dionysien als ein und dieselbe Person galten.

Der letztgenannte schrieb pseudepigraph unter dem Namen des Areopagiten und seine Schrift über die himmlische Hierarchie, „Περὶ τῆς οὐρανίας ἱεραρχίας“ (lat. „De coelesti hierarchia“), mit den neun Chören der Engel wurde auch von Thomas von Aquin in dessen Engellehre aufgegriffen. Dionysius und die Engel hatte ich bereits in meiner Arbeit „Similitudo in dissimilitudine“ kurz behandelt und später auch einen Film darüber gemacht, wobei ich mich nun frage, wie deutlich ich diese lange selbstverständliche Gleichsetzung der verschiedenen Dionysien von der heutigen Unterscheidung getrennt habe, da lohnt sich wohl ein zweiter Blick in den eigenen Film...

Und damit sind wir sogar wieder am Flugplatz EDLB, denn im Tower befindet sich eine riesige Engelfigur, die ein Segelflugzeug in der Hand hält und es anpustet. Der Engel stammt aus der inzwischen profanierten Kirche beim Flugplatz, in der nun mein lieber Peter wohnt. Zu welchem der neun Engelchöre dieser fliegerisch engagierte Engel gehört, weiß ich allerdings nicht...


Am Dortmund-Ems-Kanal lag dieser Kahn bei den Silos, während wir oben vorbeiflogen.


Kurz hinter Lüdinghausen war es mit dem traumhaft ruhigen Flug plötzlich vorbei, wir gerieten in eine derart heftige Thermik, wie ich sie in einem Herbst selten erlebt hatte, und während ich mit dem Querruder hin und her rührte und das Gefühl hatte, es würde gar nicht richtig reagieren, wurde mir doch etwas mulmig zumute: War da etwa ein Steuerseil gerissen?

Woher kam bei bedecktem Himmel und praktisch ohne Wind eine solche Thermik, die auch Mark einige hundert Meter neben mir kräftig durchbeutelte und über die wir beide nach der Landung noch staunten, hatte die Gegend hinter Lüdinghausen etwa noch so viel Wärme gespeichert?

Als ich den Forstmannshof in Westrup an der B58 (51°46′44,5″N 7°29′01,2″E) photographierte, war das Schlimmste schon vorbei, aber eigentlich wollte ich in diesem Moment nur noch landen und dachte über andere Hobbies nach, Topflappen häkeln oder Gartenzwerge restaurieren zum Beispiel...


Dieses Photo der kleinen gelben Uli Rebell hat Mark gemacht, als die Luft wieder ruhig war und ich kurz hinter dem zuletzt gezeigten Hof noch ein paar Mal mit dem Querruder gespielt hatte, um zu sehen, ob die Maschine wieder wie gewohnt um die Längsachse rollte. In der Thermik hatte ich tatsächlich kurz gedacht, es könnte etwas mit der Steuermechanik sein, weil ich mit einer solchen Hammerthermik überhaupt nicht gerechnet hatte, aber nun reagierte die Rebellin wieder ganz normal, was mich doch deutlich beruhigte.


Und noch einmal Mark in seiner Uli Rebell, den ich nun bei wieder ruhiger Luft photographieren konnte.


Diese Gebäudegruppe, vermutlich eine ehemalige Hofstelle, gefiel mir mit den roten Dächern und den vielen Bäumen rundherum aus der Luft.


Die Alte Kirche in Buldern war ebenfalls dem heiligen Pankratius geweiht, wurde aber für die wachsende Gemeinde irgendwann zu klein und durch die neue St.-Pankratius-Kirche ersetzt. 1913 erwarb die Familie von Romberg das alte Gotteshaus und ließ einen Teil zur Gruftkirche umbauen, heute finden hier auch Ausstellungen und Konzerte statt.

Die Grünfläche um die Kirche war übrigens einmal der Friedhof, der 1930 eingeebnet wurde, was man beim Blick von oben wohl kaum vermuten würde.


Die St.-Jakobus-Kirche in Karthaus, die zur ehemaligen Kartause gehört, überflogen wir einen Tag nach dem Gedenktag des heiligen Bruno, des Gründers des Kartäuserordens, und darüber freute ich mich besonders. Nach der Aufregung über die heftige Thermik tat mir dieser Blick auf einen Ort gut, an dem Menschen ihr Leben in Stille und Gebet Gott gewidmet hatten, während ich da oben noch mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt war.

Wie viele Gebete mögen von hier aus zum Himmel aufgestiegen sein, lange bevor wir mit unseren kleinen Flugzeugen darüber hinwegflogen? Den heiligen Bruno hatte ich an diesem Tag jedenfalls noch einmal vor Augen, und aus dem Blick auf die Kirche wurde für mich ein stiller Gruß nach oben.


Hier der Spiekerhof in Dülmen, wo zwischen den größeren Wohnhäusern erfreulich viel Platz für Bäume geblieben ist.


Noch ein Blick auf Dülmen mit der St.-Viktor-Kirche, bevor ich mich wieder auf den Rückweg nach Borkenberge machte.


Nach insgesamt 42 Minuten landete ich wieder auf dem Flugplatz EDLB Borkenberge, wo die kleine gelbe Rebellin nun neben der Suzuki GN250 stand, mit der ich zum Flugplatz gekommen war. Den Pullover, mit dem ich unter der Motorradjacke in der Luft ordentlich geschwitzt hatte, zog ich am Boden wieder aus, nur um dann auf dem Rückweg in der kalten Abendluft zu frieren...

Mit dem Motorrad zum Flugplatz, eine Runde über das Münsterland fliegen und anschließend mit dem Motorrad wieder nach Hause, was für ein großartiges Geschenk Gottes, dass ich da erleben durfte, auch wenn ich zwischendurch ernsthaft über andere Hobbies wie etwa die Paarberatung für einsame Socken oder das Dressieren von Staubmäusen nachgedacht hatte...